Magazin – alle Ratgeber für Lieferdienste » Ausstattung

Mehrweg im Lieferdienst: Pflichten, Systeme und gute Ideen

Veröffentlicht am 08.09.2026

Frischer Salat in einer Schale

Verpackungsmüll ist das Image-Problem der Lieferbranche. Seit dem 1. Januar 2023 ist Mehrweg in Deutschland außerdem Pflicht: Wer Speisen in Einweg-Kunststoffverpackungen verkauft, muss auch eine Mehrweg-Alternative anbieten – ausdrücklich auch bei der Lieferung. Was zunächst nach Aufwand klingt, kann ein echtes Argument für deinen Betrieb werden.

Kurz & knapp

  • Die Mehrweg-Angebotspflicht (§ 33 Verpackungsgesetz) gilt seit 2023 auch für Lieferdienste.
  • Mehrweg darf nicht teurer sein als Einweg; ein Pfand ist erlaubt.
  • Ausgenommen sind nur sehr kleine Betriebe – bei Lieferdiensten zählen Lager- und Versandflächen mit.

Wer ist betroffen?

Die Pflicht trifft alle, die Lebensmittel zum Sofortverzehr in Einweg-Kunststoffverpackungen oder Getränke in Einwegbechern abgeben – im Restaurant zum Mitnehmen genauso wie bei der Lieferung. Klassische Pizzakartons aus Pappe ohne Kunststoffanteil fallen nicht darunter, Salat-, Nudel- oder Sushi-Schalen aus Kunststoff dagegen schon.

Was genau musst du tun?

  • Für jede angebotene Größe eine Mehrweg-Variante bereithalten.
  • Mehrweg nicht teurer anbieten als Einweg und zu gleichen Bedingungen (ein Pfand ist zulässig).
  • Gäste deutlich auf das Mehrweg-Angebot hinweisen – im Laden mit Schildern, im Online-Shop direkt bei der Bestellung.
  • Eigene Mehrwegverpackungen zurücknehmen.

Die Ausnahme für kleine Betriebe

Ausgenommen sind Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und höchstens 80 Quadratmetern Verkaufsfläche. Sie müssen aber auf Wunsch mitgebrachte Behälter der Gäste befüllen und darauf hinweisen. Wichtig für Lieferdienste: Bei Verkauf über Fernkommunikation – also auch über Telefon und Online-Shop – zählen Lager- und Versandflächen zur Verkaufsfläche dazu. Die Ausnahme greift deshalb seltener, als viele denken.

Achtung

Ein Verstoß gegen die Mehrweg-Angebotspflicht ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Prüfe im Zweifel bei deiner zuständigen Behörde oder Kammer, ob dein Betrieb unter die Ausnahme fällt.

Wie Mehrweg im Lieferdienst funktioniert

Poolsysteme

Es gibt bundesweite Mehrweg-Anbieter, deren Schalen und Becher bei allen teilnehmenden Betrieben zurückgegeben werden können – teils mit Pfand, teils per App ohne Pfand. Vorteil: Gäste können zurückgeben, wo es ihnen passt, und kennen das System oft schon. Für Pizza gibt es inzwischen eigene Mehrweg-Pizzaboxen – wie das im Lieferdienst funktioniert, zeigt unser Beitrag Mehrweg-Pizzabox mit RECUP und eCaupo.

Eigene Pfandboxen

Einige Lieferdienste setzen auf eigene, hochwertige Boxen – etwa aus Edelstahl oder Aluminium. Ein Berliner Sushi-Lieferdienst hat das schon vor Jahren vorgemacht: Der Gast zahlt bei der ersten Bestellung ein Pfand, bei jeder weiteren Lieferung tauscht er die leere Box gegen eine neue. Das Essen bleibt darin länger warm, und die Box wird zum Markenzeichen.

Praxis-Tipp

Damit Pfand im Online-Shop funktioniert, muss das Bestellsystem es abbilden können: Mehrweg als Option je Artikel, Pfand im Warenkorb und eine Übersicht, welche Boxen bei welchem Gast sind. eCaupo bietet dafür ein eigenes Mehrweg- und Pfandsystem an – mit Neu, Austausch und Rückgabe direkt beim Gericht.

Was kommt als Nächstes?

Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) gilt seit August 2026 und verschärft die Regeln in den kommenden Jahren schrittweise weiter – unter anderem soll es Gästen künftig generell möglich sein, eigene Behälter mitzubringen, und für Speisen zum Mitnehmen sind Mehrwegquoten vorgesehen. Wer jetzt ein funktionierendes Mehrwegsystem aufbaut, ist für diese Schritte gut vorbereitet.

Fazit

Mehrweg ist für Lieferdienste Pflicht – und eine Chance. Wer es sichtbar anbietet, im Shop einfach buchbar macht und darüber spricht, gewinnt bei umweltbewussten Gästen Sympathie. Mehr dazu, wie du gute Arbeit auch kommunizierst, steht im Beitrag Kunden lieben Lieferdienste mit gutem Service.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind das Verpackungsgesetz und die Auskünfte der zuständigen Behörden.

Kostenlos

Die große Checkliste

60+ Fragen, mit denen du jede Liefershop-Software prüfst – bevor du unterschreibst.

Zur Checkliste →

Tipp aus der Redaktion

Du willst raus aus der Provision? Unser Schritt-für-Schritt-Plan zeigt, wie du Stammkunden ohne Risiko in den eigenen Bestellshop holst.

Das könnte dich auch interessieren

Mehrweg-Pizzabox im Lieferdienst: RECUP und eCaupo clever kombiniert

Mehrweg-Pizzabox im Lieferdienst: RECUP und eCaupo clever kombiniert

Gepostet in Ausstattung

Mehrweg-Pizzabox im Lieferdienst: RECUP und eCaupo clever kombiniert

Pizza ohne Karton: Die RECUP-Pizzabox bringt das bekannteste Mehrwegsystem Deutschlands in den Lieferdienst. Mit dem Pfandsystem von eCaupo laufen Pfand, Austausch an der Tür und Fahrer automatisch mit – so klappt der Start in fünf Schritten.

Lieferando-Alternative: So baust du deinen eigenen Bestellkanal auf

Lieferando-Alternative: So baust du deinen eigenen Bestellkanal auf

Gepostet in Shops & Apps

Lieferando-Alternative: So baust du deinen eigenen Bestellkanal auf

Raus aus der Provision, ohne Umsatz zu verlieren: Mit diesem Fünf-Schritte-Plan holst du Stammkunden vom Portal in deinen eigenen Liefershop – während das Portal weiterläuft.

Preiskalkulation für Lieferdienste: So rechnest du richtig

Preiskalkulation für Lieferdienste: So rechnest du richtig

Gepostet in Recht & Wissen

Preiskalkulation für Lieferdienste: So rechnest du richtig

Wareneinsatz, Verpackung, Fahrer, Provision, Zahlungsgebühren: Mit diesem Schema findest du heraus, was eine Pizza wirklich kostet – und welcher Preis am Ende etwas übrig lässt.

Das Praxis-Magazin für Lieferdienste, Pizzerien und Restaurants mit Lieferservice: eigener Bestellshop, Marketing, Recht und Kalkulation – verständlich erklärt.

© 2026 Lieferdienst Ratgeber