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Veröffentlicht am 15.09.2026

Viele Lieferdienste setzen ihre Preise nach Gefühl oder nach der Konkurrenz. Das geht lange gut – bis Zutaten, Löhne und Gebühren steigen und am Monatsende trotz voller Auftragsbücher kaum etwas übrig bleibt. Eine saubere Kalkulation zeigt, welche Gerichte wirklich Geld verdienen und wo du nachsteuern musst.
Kurz & knapp
Liste für jedes Gericht alle Zutaten mit Menge und Einkaufspreis auf – vom Teig über die Tomatensauce bis zum Basilikumblatt. Dazu ein kleiner Aufschlag für Verschnitt und Verderb. Als grobe Orientierung gilt in der Gastronomie ein Wareneinsatz von etwa 25 bis 35 Prozent des Nettopreises; liegt ein Gericht deutlich darüber, lohnt ein genauer Blick.
Karton, Schale, Deckel, Tüte, Serviette, Besteck, Dip – das sind schnell 0,30 bis über 1 Euro pro Bestellung. Bei Mehrweg-Systemen kommen Pfand oder Systemgebühren dazu.
Die Lieferung ist der größte Unterschied zum Restaurant. Rechne Fahrerlohn (seit Januar 2026 gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde), Fahrzeug, Sprit oder Strom und Versicherung auf eine Stunde um und teile durch die Zahl der Lieferungen pro Stunde. Ein Beispiel: 22 Euro Kosten pro Fahrerstunde bei 2,5 Lieferungen pro Stunde ergeben rund 8,80 Euro pro Lieferung. Das ist der Grund, warum Mindestbestellwerte und Anfahrtskosten so wichtig sind – und warum gute Tourenplanung bares Geld spart.
Miete, Energie, Küchenpersonal, Versicherungen, Werbung und Steuerberatung fallen unabhängig von der einzelnen Bestellung an. Teile sie durch die Zahl der Bestellungen im Monat und rechne einen Gewinnaufschlag dazu. Erst dann kennst du deinen Mindestpreis.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Wareneinsatz (Teig, Sauce, Käse, Basilikum) | 2,10 € |
| Karton und Serviette | 0,45 € |
| Anteil Lieferkosten (bei 2 Pizzen pro Lieferung) | 4,40 € |
| Anteil Gemeinkosten | 2,50 € |
| Selbstkosten netto | 9,45 € |
| + Gewinnaufschlag 15 % | 1,42 € |
| + 7 % Mehrwertsteuer | 0,76 € |
| Verkaufspreis im eigenen Shop | ca. 11,60 € |
Über ein Portal mit 13 Prozent Provision (zzgl. MwSt.) müsste dieselbe Pizza rund 13,80 Euro kosten, um dasselbe übrig zu lassen. Deshalb verlangen viele Betriebe auf Portalen höhere Preise als im eigenen Shop – das ist zulässig, solange dein Vertrag mit dem Portal das nicht ausschließt.
Mehrwertsteuer
Seit 2026 gilt für Speisen generell der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent – bei der Lieferung war das schon vorher so. Getränke bleiben bei 19 Prozent. Bei Menüs mit Getränk muss der Preis aufgeteilt werden. Lass dir die korrekte Aufteilung von deiner Steuerberatung bestätigen.
Praxis-Tipp
Eine ausführliche Anleitung mit Rechenvorlage bietet der kostenlose Leitfaden zur Preiskalkulation im Lieferdienst. Wer seine Preise anschließend ändert, sollte das auch im Shop sauber pflegen – und Angebote erst nach der Kalkulation festlegen.
Kalkulation ist keine Raketenwissenschaft, sondern Fleißarbeit, die sich lohnt. Wer seine Kosten pro Gericht kennt, setzt Preise mit gutem Gewissen, erkennt Verlustbringer und weiß genau, wie viel ihn jeder Bestellkanal wirklich kostet.
Stand: September 2026. Beispielwerte zur Veranschaulichung – deine Zahlen weichen ab. Keine Steuerberatung.
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